Mit dem Rücken zur Sonne

Momentan begegnen mir viele Menschen, die nicht nur mit dem Rücken zur Wand, sondern gleichzeitig vor ihrer Sonne stehen und sehnlichst auf den Ausweg hoffen.

Keine Frage. Die Meisten erleben im Laufe ihres Daseins Phasen des Schmerzes, Hilflosigkeit und Verzweiflung. Mancherlei Leben gleicht einem komplexen Hindernisparcours. Ich konnte zeit meines Lebens selbst einige dieser Lieder singen. Oft schon fragte mich mein Umfeld, woher ich eigentlich die Kraft nehme und es immer wieder schaffe, mich positiv auszurichten.

Doch ab und an kommt es vor, dass man aus lauter Gewohnheit weiterhin die Bäume eines Waldes pflanzt, den man an sich längst verlassen hat. So als gewähre seine Schattenwand hinter der sich längst öffnenden Lichtung, Schutz.

Schutz vor der völligen Unberechenbarkeit einer neuen Freiheit, die zu erreichen man lange ersehnte und erkämpfte und nun plötzlich Angst bekommt.

Angst vor der Ungewissheit, alte Wunden neu aufgerissen zu bekommen und sinnlose Zeit in neuen Irrschleifen zu verplempern.

Zeit, die doch nun endlich einmal dem Glück vorbehalten bleiben soll(te).

Glück, dieses ferne rätselhafte Sogschloss, von dem das Leben uns träumt.

Leben, dieses zaghafte Dasein unserer Träume, die wir lange eingesperrt und vergessen hatten.

Raus aus der Schleifenfalle

Sehr oft höre ich von meinen Kunden, Teilnehmern und privaten Kontakten Antworten wie:

  • „Ja, … würde ich gerne machen, aber …“
  • „… erst mal muss es mir wieder besser gehen.“
  • „… wieso sollte ich etwas auf die Reihe bringen? Ich hab ja oft genug bewiesen, dass ich es nicht kann.“
  • „… wenn ich mich positiv ausrichte, werde ich nur wieder aufs Neue enttäuscht.“

Das Problem an langjährigen Schwierigkeiten ist ihre Gewohnheit.

Wir sind so vertraut damit, Probleme abzufedern, dass wir lieber die Rückendeckung unseres vertrauten Waldes in kauf nehmen, als ihn zu verlassen. Fälschlicherweise wird dies Komfortzone genannt. Ihre Bezeichnung ist jedoch irreführend. Denn sie suggeriert den Negativzustand mit einem positiven Wort. Hinzu kommt, dass insbesondere die Deutsche Kultur wenig Verständnis für Experimentierer und Freigeister bereit hält. Jede Abweichung einer Erwartungsnorm wird als fehlerbehaftet oder naiv bewertet.

Kein neuer verständnisfreier Tritt!

Ich lege wert darauf zu betonen, dass es mir hier mitnichten um ein Wegreden ernsthafter Sorgen mit fadenscheinigen Tricks der Erfolgstrommel geht. Ganz im Gegenteil. Ich möchte lediglich auf einen wichtigen Aspekt aufmerksam machen, der in den meisten Fällen völlig untergeht.

Jenen unserer wahren Berufung nämlich.

Viele Menschen warten auf ein glückliches Wunder in der Zukunft, das hoffentlich endlich bald auch ihnen zuteil wird. Da dieses noch nicht eingetreten sei, können sie sich derzeit leider noch nicht mit ihrem Herzblut befassen. Sie müssten erst einmal gesund werden, Probleme lösen, auf Geld warten, etc. etc.

Selbstverständlich sind ein Briefkasten voller roter Rechnungen oder gar der Verlust eines Lebenspartners und all die anderen Herausforderungen eines zuweilen anstrengenden Lebens manchmal derart bremsend, wenn nicht gar vernichtend, dass einem schon einmal Kraft und Muße ausgehen können. Doch ist die Befassung mit unserem ganz persönlichen Sinn insbesondere dann nicht zu unterschätzen. Ich möchte Dir aufzeigen weshalb:

So lange wir mit unserem Rücken vor der sprichwörtlichen Sonne bleiben, uns also vor ihr abwenden, können wir nur weiterhin in die Schatten schauen. Damit möchte ich keineswegs ausdrücken, dass wir selbst Schuld an all unserem Übel haben. Was brächte uns auch eine solch destruktive Rückschau?

Gerade in den Talsohlen unseres Lebens benötigen wir all unsere Stärken und Ressourcen. Dazu gehören neben den uns bekannten auch jene, die wir noch nie bewusst ausspielten, weil wir sie entweder gar nicht kennen, mangels des richtigen Weges noch nicht entdeckten oder aber als selbstverständlich abtun.

Ein Beispiel: 

Stell‘ Dir vor, Du wärst im Grunde Deines Herzens gern Busfahrerin. Du liebst den wechselnden Kontakt zu vielen Menschen und betrachtest es als Privileg, jeden Tag ein kleines Stückchen Lächelglück in anderer Leben bringen zu dürfen. Aufgrund Deiner gleichfalls in Dir wohnenden meditativen Stille, kämst Du gut mit jedem Straßenverkehr zurecht. Am Allerliebsten aber würdest Du durch südliche Länder fahren. Reisebusse haben Dich schon immer berührt.

Nun hast Du da aber diese wunderbaren Eltern, die sich zeit ihres Lebens hart für Dich geopfert haben. Sie wurden nicht müde, es Dir zu erzählen und dummerdummerweise legten sie großen Wert auf „einen anständigen Beruf“. Sie meinten es seit jeher sehr gut mit Dir, doch wenn man mit seinem Job angeben könnte, hätten sie natürlich auch nichts dagegen gehabt. So bist Du also Deinen Ausbildungs- oder gar Studienweg gegangen und hast diverse Titel und vielleicht sogar Erfolge erworben. 

Dennoch stimmt etwas nicht. Seit vielen Jahren geht irgendwie immer alles schief. Vor allem gelingt es Dir nicht, glücklich zu werden. Du hältst Dich gar nicht für einen undankbaren Menschen. Nur irgendwie scheint vielen anderen Freunden so manches besser zu gelingen als Dir. Dein Job fordert Dich sehr, für Deinen Geschmack ist er viel zu hektisch und abwechslungsreich. Die ständigen Anpassungen betrachtest Du nicht als Herausforderung, sondern als Stress. 

Manchmal wenn Du Zeit findest, um in Gedanken zu schwelgen, siehst Du Dich durch Italien fahren, mit gestressten Menschen, die so wie Du nach Erholung und Frieden suchen. Du bringst sie an verschiedene Höfe, von Meditation bis landwirtschaftlicher Mitarbeit. Dieser Moment, in dem sie aussteigen und auch jener, in dem sie strahlend wieder bei Dir einsteigen, zaubert Dir jedes Mal ein erfülltes Lächeln in Gesicht und Seele. Doch dann wachst Du wieder auf und bist inmitten Deines scheiß Lebens zurück! Wenn doch nur, … .

Weißt Du jetzt was ich meine?

Wenn wir uns für einen Augenblick vorstellen, dass jeder Mensch für eine bestimmte Aufgabe in dieses Leben gekommen ist, was müsste Deiner Meinung nach passieren, während er auf dem falschen Weg ist?

Ich möchte Dich einladen, eine Weile über diese Frage nachzudenken. Schreib mir gern in die Kommentare, wenn Du Deine Erkenntnisse mit anderen Menschen teilen möchtest.

Herzliche Grüße

Tanja S. 

PS: Lies‘ zu diesem Thema auch gern mein ➡ „Arbeitstool zur Sinnfindung“.
Falls Du Deiner Persönlichkeit schon länger gern mehr auf die Schliche kommen würdest, buch‘ doch eine ➡  „RMP“-Persönlichkeitsanalyse bei mir. Hierzu empfehle ich auch das kleine Erklärvideo auf meiner Startseite.

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Tanja ist die Gründerin von Seele auf Kurs. Sie erlebte viele Jahre lang die Hürden der Selbständigkeit und Deutschen Bürokratie (hohe Steuernachzahlungen wegen Liebhaberei, Arbeitsplatzablehnungen aufgrund starrer Titelvorgaben vermeintlich sozialer Träger und unüberwindbare Vorurteile in den Herzen der Menschen gegenüber Nichtstudierten und überhaupt anders Denkenden). Mit den Jahren erkannte sie, dass zwei füreinander geschaffene Menschengruppen aneinander vorbei liefen: 1. zahlreiche gut ausgebildete Coaches, die ebenso mit den Herausforderungen ihrer Existenz zu kämpfen hatten und 2. unzählige Menschen mit dem dringenden Bedarf nach Hilfe ohne den dazu erforderlichen Mitteln. Während die offiziellen Gesundheitskanäle an Überlastung schier platzten, schien man entwicklungsfreudige Menschen dennoch lieber sich selbst zu überlassen, anstatt die akademischen Tore für alternative Menschenbegleiter zu öffnen. Immer wieder rätselte sie darüber, wie man diese beiden Seiten zueinander führen und glücklich machen könne, entwickelte und verwarf Ideen, produzierte Flyer, sammelte Reaktionen und folgte diversen Achterbahnen ihres eigenen Lebens. Im Jahre '22 las Tanja bei Wikipedia die Definition der High Potentials, die dort unverblümt als akademisch beschrieben wurden. Ihr fiel wie Schuppen von den Augen, dass diese Bezeichnung nicht den evolutionär gut verteilten Fähigkeiten aller Menschen entsprang, sondern einer rein elitären Bewertung. "Demnach sind wir also die Low Potentials oder wie?!" In diesem Moment wurde ihr endgültig klar, dass sie angetreten war, die Welt zu verändern.

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